Monk (von der Wii)

 

Wie kommt man zu einer Blondine in 30 Minuten?

"Eigentlich wollte ich ja eine ELO® -Hündin, um zu züchten." Ja, diesen Spruch sage ich immer wieder und schmuse dann liebevoll unsere anhängliche, männliche "Blondine", unseren Monk.

Monk, dieser coole Name, ist eigentlich das einzig Beste, was er aus den ersten 10 Monaten seines Lebens mitgenommen hat.

Monk ist ein "Einheitshund". Er ist am 3.10.2008 in einer Hobbyzucht in Horhausen geboren worden. Kurz vor Weihnachten, wurde er dann in eine Familie mit 2 Kinder abgegeben. Bereits an seinem ersten Tag im neuen zu Hause, musste er dort stundenlang alleine bleiben, weil die Familie an einer Weihnachtsfeier teilnehmen wollte. Noch Fragen??? Insgesamt weiß ich nicht viel aus seiner Kindheit. Getroffen habe ich ihn ein einziges Mal, obwohl seine Menschenkinder in den gleichen Kindergarten wie mein Jüngster gingen. Er war damals ca. 5 Monate alt, lief ca. 50 Meter vor seinem damaligen Frauchen und sprang mich gleich mit seinen dreckigen Pfoten an. Er freute sich wie verrückt, so wie das halt die meisten Goldies tun, wenn sie andere Menschen und Hunde zum Spielen treffen. Wie meistens kam da der Frauchenspruch:"Er ist ja noch klein und die Hundeschule ist ja samstags, da kann ich nicht immer!"

Nach ca. 10 Monaten wurde dann plötzlich eine Hundeallergie bei der Besitzerin festgestellt (ach, die Familie hatte davor übrigens schon 2 Hunde). Durch einen Zufall war Monk bei einem Bekannten für ein Wochenende geparkt worden, weil seine Familie eine Kurzreise nach Bayern machte (natürlich ohne ihn!). Dieser Bekannte kam mit seinem eigenen Hund und Monk bei uns vorbeispaziert und die Hunde spielten auf unserem Grundstück zusammen. Monk verzauberte mich sofort mit seinem typischen "goldigen" Verhalten. Er zeigte ein richtiges "Grinsen" vor Freude und kuschelte und wedelte und tat alles, um zu gefallen. Hingegen fiel mir auf, dass sich Kamillo ungewohnt dominant verhielt. Er wies Monk deutlich in seine Schranken und machte klar, wer hier zu Hause war. Monk unterwarf sich sofort, suchte aber auch immer wieder Kamillos Nähe und langsam begannen die beiden harmonisch zu spielen. So traf es mich eiskalt, als ich hörte, dass Monk abgegeben werden sollte und dies auch recht schnell. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass so ein süßer Kerl auch in "Such und Find" zu finden wäre oder im Tierheim landen könnte.

 

Wie schon erwähnt, wollte ich ja eigentlich mein Hunderudel mit einer ELO®-Hündin erweitern, an einen Golden Retriever hatte ich nie gedacht...aber wo die Liebe so hinfällt. Ich nahm Kontakt mit Monks Familie auf und sollte die Familie am kommenden Dienstag besuchen. Der Dienstag kam und ich fuhr schon mit einem Kribbeln im Bauch zu der Familie. Monk begrüßte mich an einer 10 Meter-Leine und wickelte sich vor Freude um den Gartenpavillon. Das Gespräch mit Frauchen und Herrchen verlief "plätschernd", bis man zum Thema "Geld" kam. "Ja, man müsste Monk zwar abgeben, aber man hätte ja auch Ausgaben gehabt". Puh, auf so ein abgeklärtes Verhalten war ich nicht vorbereitet. Ich hatte angenommen, es ginge darum, ein gutes zu Hause für Monk zu finden. Schließlich machte man mir das Angebot, den Hund gegen EUR 200 mitzunehmen. Davon würden die Kinder dann eine Wii bekommen, es wäre ja schließlich der Hund der Kinder gewesen. Ich dachte nur: " Hier bleibt der Hund nicht!", stimmte zu die EUR 200 zu zahlen, nahm die Tüte mit Hundeartikeln ( die bereits gepackt war!), ein Hundekissen, eine Autometallbox und schließlich Monk an der Leine und verließ in insgesamt 30 Minuten Monks altes zu Hause! Deshalb heißt Monk auch "Monk von der Wii".

 

Probleme"gebrauchter Hunde"

Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende...

Nein, so einfach war es leider nicht. Mein Mann wusste zwar im Groben über meine Pläne Bescheid, war aber der Meinung, dass Monk nur kurzfristig bei uns wäre und dann bei meiner besten Freundin letztlich sein neues zu Hause finden würde. Monk begrüßte ihn an seinem ersten Tag bei uns freudestrahlend und hinterließ ca. 100.000 Goldie Haare auf seinem Anzug. Dies wurde mit einem: "Alex, der bleibt hier nicht!" direkt von meinem Mann kommentiert. Mir fiel das Herz in die Hose. In den nächsten Tagen ließ ich Monk dann erst mal ärztlich durchchecken und chipen. Drei Tage nach Monk's Wechsel zu uns, fuhren wir nach Fehmarn in Urlaub. Wie mir seine alte Familie sagte, mochte Monk Autofahren nicht besonders! Also, nach 9 Stunden Fahrt konnte ich eindeutig sagen: Monk liebt Autofahren und ist der Erste der einsteigt! Wir sind leidenschaftliche Camper und daher natürlich mit dem Wohnwagen unterwegs. Monk orientierte sich fast bei allem an Kamillo und fügte sich so super in unsere Familie ein, nur...

  • Leinenführigkeit
  • Grundgehorsam
  • Abrufbarkeit von anderen Hunden und Tieren
  • Schwimmen nur mit Erlaubnis
  • Alleinebleiben
  • Knochen abgeben an Frauchen oder 

andere ganz normale Sachen, die man halt mit einem Hund so bis zum 10. Monat gemacht hat, Fehlanzeige! 

Wir konnten sehr schnell feststellen, dass Monk eigentlich in den 10 Monaten fast nichts gelernt hatte und in vielen Situationen sehr unsicher war. Meine Freundin Tina und ihre Familie waren auch mit uns unterwegs und sie las fleißig Hundebücher und beschäftigte sich sehr geduldig mit Monk. Es stellte sich jedoch nach ein paar Tagen heraus, dass Monk unbedingt Kamillo brauchen würde, um sich an ihm zu orientieren und sicher zu werden und dass meine Freundin als Ersthundebesitzerin dieser Sache nicht gewachsen sein würde. Somit musste Monk wohl doch bei uns bleiben! :-) Komischerweise schien mein Mann die ganze Sache dann auch gänzlich zu akzeptieren. Nach unserer Rückkehr besuchte ich nun auch regelmäßig die Hundeschule und alles lief bestens, Monk war ein neues Familienmitglied geworden bis zu einem Tag im Oktober:
 

Wir hatten in den letzten 3 Monaten festgestellt, dass Monk auf das hektische und quirlige Treiben unseres Jüngsten vorsichtig reagierte. Was er auch immer mit kleineren Kindern erlebt hatte, er ging freudig auf ihn zu, sah aber auch zunächst skeptisch aus, wenn Tobias ihn plötzlich und unvermittelt streichelte. Daher baten wir die Kinder um unbedingten Respekt vor Monks Körbchen oder seinen Schlafphasen. Wie Kinder aber nun mal so sind, wollen sie doch "nur mal den Hund kuscheln". Wir saßen alle zusammen am Küchentisch und Monk lag mitten in der Küche und wir mussten um ihn herum gehen. Er schlief tief und fest. Tobias wollte sich eigentlich nur etwas zu trinken holen und beugte sich plötzlich von oben über Monk und streichelte ihn. Dieser wurde mitten aus dem Schlaf gerissen, hob ruckartig den Kopf an und erwischte Tobias im Gesicht mit einem seiner Eckzähne. Tobias blutete, fing an zu schreien und wir Eltern spurteten mit ihm ins Badezimmer zur Wundversorgung. Es sah wohl zunächst schlimmer aus, als es war, doch der Schock bei uns saß tief. Monk kam ganz verschlafend aussehend zu uns ins Badezimmer getrottet und wollte wedelnd auf Tobias zugehen. Da brüllte mein Mann :"Der bleibt hier nicht, der hat das Kind gebissen!, sieh zu wo der hinkommt, hier bleibt der nicht!". Er schnappte sich Tobias und verschwand.

Zurück blieb ich, ganz verheult und total verunsichert, mit einem Hund der mich schwanzwedelnd ansah. Als Mutter plagte mich das Gewissen.Hatte ich hier wirklich einen unkontrollierbaren Hund, Gefahr für meine eigenen und auch Besucherkinder? Man liest immer mehr von schrecklichen Beissgeschichten in den Medien. Wohin so schnell mit Monk? Ich heulte mir die Augen aus dem Kopf und suchte Rat, bei meiner Hundeschulentrainerin und bei meinern Hundefreundinnen. Liebe Stef, Corinna, Tina, Babs, Gabi noch mal tausendmal Dank für Eure offenen Ohren und Eure vielen Ratschläge. Ich möchte hier nicht darüber philosophieren was "beißen" eigentlich bedeutet, wann hat ein Hund gebissen?, warum?, wie sieht das aus? usw.. Wenn es um die eigenen Kinder geht, denkt man nicht rational. Ich, aber auch mein Mann führten viele Gespräche über den Unfallhergang, ihre Folgen und auch Monks Zukunft. Letztendlich kamen wir zu dem Entschluss, dass es ein Unfall war und keine motivitierte Attacke von Monk. Jedoch muss man sagen, dass solche Unfälle bei allen Hunden und auch unserem Kamillo immer wieder vorkommen können. Ich danke auch ganz herzlich meinem Mann, für seine Toleranz, sich auf Gespräche einzulassen und mit mir gemeinsam die Verantwortung zu tragen, Monk weiterhin eine Chance bei uns zu geben.

 

Vertrauen muss man sich verdienen

Nach fünf Jahren sieht das Zusammenleben sehr harmonisch aus. Kamillo, Monk und Sookie sind beste Kumpels geworden. Dazu kuscheln Tobias und Monk morgens gemeinsam auf dem Badezimmerteppich und zögern so das leidige Anziehen heraus.

Unser Monk hat sich sogar regelrecht zum Herrchenhund entwickelt ( der Verräter!). Gemeinsam fröhnen sie der Jagdleidenschaft. Wobei Monk glücklicherweise nur die Spurverfolgung liebt. Insgesamt hat sich alles sehr positiv entwickelt. Die Grundausbildung in der Hundeschule ist abgeschlossen, der Verhaltenstest abgelegt und wir trainieren jetzt bei Susi mit Kamillo gemeinsam in einer Hundesportgruppe.

Auch kleinste Veränderungen bleiben nicht selbstverständlich:

So darf ich ihm z.B. nun problemlos die Füße pediküren. Man kann ihn liegend von einer Seite auf die andere rollen, der Lieblingsknochen wird uns freiwillig gebracht, ohne Aufforderung ausgehändigt und freudestrahlend zurückempfangen, das Futter aus dem Beutel wird gekaut statt geschlungen, die PET-Flasche ist kein Staatsfeind Nr. 1, sondern enthält ja Leckerchen! usw, usw. 

Für viele Hundebesitzer die ihren Hund als Welpen bekamen selbstverständlich, jedoch für gebrauchte Hunde nicht unbedingt. Alleinebleiben kann Monk jetzt auch gut, wir kommen ja immer wieder! Auch wird der direkte Augenkontakt für Monk immer einfacher.

Wichtig ist, dass man selbst jetzt noch weiter kleine Fortschritte sieht, alles andere kommt wohl weiter mit der Zeit. Vertrauen muss man sich halt verdienen.

 

Neues aus dem Wald

So, nun hat meinen Mann der Ehrgeiz gepackt. 

Monk soll jetzt ein richtiger Jagdhund werden! So ein richtiger mit Urkunde und Erlaubnis und so! :-)

"Brauchbarkeitsprüfung" heißt das im Amtsdeutsch. Nun ja, wie das bei Blondinen so ist, macht unser Monk dann nun den Vorbereitungskurs für die "Brauchbarkeit auf Schalenwild". 

Er soll nur die Prüfung für die Nachsucharbeit machen, auf die Wasserarbeit, sprich lebende oder tote Ente aus dem Wasser holen, hat mein Mann verzichtet. Ein Lob an Ihn! So viel Einsicht hab ich ihm gar nicht zugetraut. Ups...

Nein Quatsch, ich find es schwierig einem Familien-Wasserhund zu sagen: " Hey Blondie, jetzt bist Du mit uns als Familie am See, hol bitte nicht die Ente dahinten aus dem Wasser, Du bist jetzt nicht im Dienst!" Darauf haben wir uns geeinigt,  und das ist toll. 

Monk macht sich prima im Kurs und hat auch schon einige erfolgreiche Nachsuchen abgeschlossen. 

 

Amtlich geprüft und für brauchbar befunden!

Monk hat mit Georg seine Prüfung am 6.10.2012 erfolgreich bestanden!

 

Waidmanns Heil!

Wir sind richtig stolz auf Monk.

Es ist 2014, er ist nun 6 Jahre und ist ein richtig erwachsener Goldie. Er ist ruhiger geworden, hat sich aber sein "Ich freu mich ja so!-Wesen" erhalten. 

Er ist unsere große Schmusebacke und lässt sich von jedem gerne und ausgiebig durchmassieren. Das verschafft ihm immer wieder ein "Ne, was ist der goldig!" von fremden Menschen, die er mit seiner Art geschickt um den Finger wickelt. 

Das klappt natürlich auch perfekt beim Herrchen! Die zwei haben eine ganz besondere Beziehung zueinander. "Einfach Liebe" fasst es wohl am besten zusammen. Für Monk ist Georg der Aktionfaktor pur. Mit ihm geht es in den Wald zum Arbeiten! Fährtenarbeit- Natur, Spaß, Freiheit, zwei Männer unter sich! Hört sich an wie ne Malboro-Werbung, oder? Genau, da war aber doch noch was! Ich verkörpere dann wohl die böse Aufschrift auf der Zigarettenpackung: >Jagdausflüge erschweren den Familienwaldspaziergang!<

Als Rudelchef darf ich dann im "normalen-Leben" die Leinenführigkeit einfordern, den Grundgehorsam immer wieder festigen und durch ein "Nase runter" klar machen, dass hier und jetzt nicht gearbeitet wird. Ein Spagat, der aber bisher sehr gut klappt.

Natürlich arbeite ich auch weiterhin mit Monk in der Hundeschule und spiele auch viel mit ihm, bin hier jedoch nur 2. Wahl.

Ups, manchmal bin ich wohl ein bisschen neidisch auf die Beziehung der beiden, dann aber wieder nur glücklich, dass beide ihre Bestimmung gefunden haben. Liebenswerter-Verräterhund!

Monk hat jetzt auch seinen ersten Ernstfall bestanden und ein Wildschwein erfolgreich nachgesucht. Herrchen hat gejubelt und im Wald gerufen: "Mein Hund, mein super weißer Hund!" 

Nee ist klar! Wie war das noch ? "Der bleibt hier nicht!" Das Schicksal hatte da wohl andere Pläne. :-)

Abschluss einer wundervollen Partnerschaft.

 

Trauerbewältigung

Der Tod von Sookie hatte Monk komplett aus der Bahn geschmissen. Obwohl er sich am Grab verabschieden konnte, lag er nur noch wartend an der Haustür und ging jedem Hundekontakt draußen aus dem Weg. Es zeriss uns, wenn wir in diese traurigen Augen sahen und wir mussten uns immer wieder mit unserem eigenen Schmerz auseinandersetzen. Wir versuchten alles, doch wir schafften es nicht, ihn aus seiner Trauer zu holen. Das ging dann so lange bis Jazzman einzog. Anfangs wollte Monk mit ihr nichts zu tun haben und wir hatten schon Bedenken, ob dieser Schritt der richtige gewesen sei. Doch dann kam der Tag der nächsten Impfung für Jazzman und wir nahmen die Jungs mit zum Tierarzttermin. Jazzman wurde auf den Tisch gehoben und untersucht.

Als sie dann geimpft wurde, hat sie scheinbar wegen des Nadelstichs schrecklich aufgeschrien. Plötzlich schoss Monk an den Behandlungstisch, die Schlappohren bis zum Anschlag angehoben und schaute ganz hektisch nach Jazzman. Es war ein Schlüsselerlebnis. Wir kamen nach Hause und die zwei fingen an zu spielen, sich zu balgen und wurde sofort die besten Spielkameraden. Monk taute wieder auf und wurde wieder der fröhliche und "goldige" Hund,der er vorher gewesen war. 

 

Ganz schön rüstig!

2019 ist Monk mit seinen 11 Jahren nun ebenfalls ein Senior. Er macht aber immer noch bei der Jagd seinen Job perfekt, hat im Laufe der Jahre viele erfolgreiche Nachsuchen absolviert und meinem Mann schon oft gezeigt, daß man als Jäger immer dem Hund vertrauen sollte. Er ist körperlich noch richtig gut drauf. Beim Aufstehen merkt man manchmal, dass er erst mal in die Gänge kommen muss, aber danach federn die Beine. Auch längere Spaziergänge machen ihm noch nichts aus.