Kamillo von der Aspe

 

Wie alles begann:

Ich bin schon als Kind mit Hunden aufgewachsen. Mein Mann hatte immer Katzen. Als ich bei ihm einzog, wurde ich daher die Dosenöffnerin von Krümel und Mohrle. Katzen sind sehr eigenständig, sie lassen sich m.E. nie auf so eine tiefe Beziehung zu einem Menschen ein wie ein Hund. Unsere beiden Katzen mussten leider auch irgendwann von uns gehen und als Tobias 5 Jahre alt war, entschlossen wir uns, einen Hund als neues Familienmitglied aufzunehmen.

Zunächst wussten wir noch nicht welche Rasse es sein sollte oder welche Charaktereigenschaften der Hund besitzen sollte.

Daher sammelten wir:

  • es sollte ein mittelgroßer Hund sein bis zu 35 kg schwer
  • er/sie sollte ein mittellanges Haar besitzen
  • er/sie sollte möglichst keinen Jagdtrieb besitzen
  • er/sie sollte wachsam sein, aber kein Kläffer
  • er/ sie sollte bei uns keinen "Job" wie ein Hütehund oder ein Schutzhund ausüben, da bei uns immer Kinder zu Besuch sind und wir unsere Postzusteller wirklich mögen! 
  • er/sie sollte kein "Dauersportler" sein, weil wir nämlich auch keine sind

Hört sich nach Wunderhund an, oder? Den sollte man im Spielzeugregal bei Robotern aus Japan suchen!

Es ist durchaus verantwortungsbewusst sich vorher zu überlegen, welches evtl. angeborene Verhalten eines Hundes nicht in meine alltägliche Situation passt. Viele Hunde werden später wieder abgegeben, nur weil sie ein Verhalten zeigten, dass für ihre Rasse absolut typisch und so auch angezüchtet wurde, nur der Besitzer hat dies bei der Anschaffung vollkommen ignoriert, oder sich nur auf das Äußere konzentriert.

Die Rassehundebücher brachten uns auf der Suche nach unserem Hund nicht weiter und durch Zufall stieß ich im Internet auf den ELO®.

 

"Electric Light Orchestra"?, fragte mein Mann. Ja, das fragen die meisten. Wir lasen mehr über diesen "Markenhund" und suchten einen Züchter in unserer Nähe. Ich nahm Kontakt auf mit der Zuchtstätte " Von der Aspe" im Siegerland. Die Züchterin Steffi Niehues empfing uns an einem Sonntag im November 2006 und ihre damals 4 Hunde begrüßten uns freundlich. Wir durften uns alles ansehen und konnten über den Elo und sein Eigenschaften genügend weitere Informationen sammeln. Besonders hatte es uns und den Kindern Bonny angetan. Ihr Wesen war einfach nur bezaubernd. Wie es sich herausstellte, waren sowohl Fienchen als auch Bonny gedeckt worden und man erwartete Mitte und Ende Dezember 2 Würfe. Wir ließen uns für den Großelo-Glatthaar-Wurf von Bonny auf die Warteliste" schreiben. Da Christian als Kleinkind auf Katzenhaare allergisch reagiert hatte, wollten wir hier noch gründlicher vorgehen. Wir baten die Züchterin, uns Haare von Bonny mitzugeben, was Frau Niehues ohne Zögern auch tat. Dies ist durchaus nicht selbstverständlich bei jedem Züchter und wir danken Frau Niehues nochmals sehr für ihr Verständnis! Mit diesen Haaren wurde später beim Kinderarzt auf eine allergische Reaktion getestet, die glücklicherweise ausblieb.Dies haben wir auch später mit Kamillos Haaren wiederholt. Eine Allergie kann jederzeit ausbrechen, doch kann man m.E. mit solchen "Kleinigkeiten" doch schon einigem großen Kummer vorbeugen.

Dann begann natürlich bei mir die "Nestbauphase". Körbchen, Bürsten, Futternäpfe, Spielzeug, Decken usw. kaufen. Ja, ein neues Baby sollte einziehen und das Haus wurde für das Hundebaby sicher gemacht. Pflanzen weg, Stromkabel in Sicherheit, Schuhschränke wurden gekauft, Treppengitter wieder installiert und noch vieles mehr.
 

Man kann ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht!

Dieses tolle Zitat von dem bekannten Schauspieler Heinz Rühmann fasst unser Leben mit Kamillo sehr gut zusammen.

Meine Mutter fragte mich, als wir von unserem Hundewunsch erzählten: "Willst  Du Dir neben den Kindern, dem Haushalt und dem Job auch noch einen Hund ans Bein hängen?"

Ich kann ehrlich sagen, dass Kamillo für mich in der vergangenen Zeit nie auch nur einen Moment lang eine Belastung gewesen ist, im Gegenteil.

Die Züchterin hatte unseren Welpen aus dem Wurf für uns ausgesucht. Wir durften den Kleinen bereits in den ersten Wochen in Hilchenbach besuchen und setzten uns erwartungsvoll ins "Welpengehege", mein Mann auf einen kleinen Kinderhocker und fragten, welcher der Welpen es denn sei. Die Antwort: "Kamillo ist der, der sich unter Georgs Hocker hingelegt hat". Und so hatten wir uns dann wohl doch "gefunden". Der Kleine musste noch eine Nabelbruch-OP hinter sich bringen und als er endlich im Februar 2007 bei uns einzog, waren natürlich alle Familienmitglieder hoch motiviert. An eine Namensänderung auf Poldi (ihr erinnert Euch, wir kommen ursprünglich aus Köln!), war nicht zu denken, wir hatten jetzt 8 Wochen lang von "Kamillo" gesprochen und so blieb der Name. Wir gingen samstags als Familie zusammen zur Welpengruppe und auch an den anderen Tagen zusammen spazieren. Es waren ja zunächst nur ein paar Minuten. Nach einer gewissen Zeit nimmt diese Dynamik bekanntlich bei Kindern ab und das Gassigehen im Regen überlässt man dann natürlich der Mama. Wer den Hund der Kinder wegen anschafft und diese sich dann darum auch noch zuverlässlich kümmern, der ist sicherlich in der Minderheit. Da mir das bereits im Vorfeld klar war, konnte ich auch nicht enttäuscht werden.

Kamillo war einfach nur niedlich als Welpe. Er sah aus wie ein kleiner Bär mit rosa Bauch. Nach 2 1/2 Wochen war er stubenrein und er hat mir nicht ein einziges Teil im Haushalt kaputt gemacht. Bei Oma und Opa in der unteren Hausetage war er schon nach kurzem der Liebling und wurde nach Strich und Faden verwöhnt. Morgens fuhr er mit mir zum Arbeiten ins Büro. Nochmals einen großen Dank an meinen damaligen Chef Heinz und meine damalige Chefin Martina, die Kamillo im Büro erlaubten und sogar ein Schild "Auftragsannahme Kamillo von der Aspe" an der Tür installierten!

Der Basiskurs fand an einem Montag statt und war "mein Tag". D.h. die Hölle konnte zufrieren und trotzdem fuhr ich nach Siegen zur Hundeschule. Das Training mit Kamillo machte unglaublich viel Spaß und ich entwickelte natürlich auch den Ehrgeiz, einen besonders gut erzogenen Hund zu haben.Ich denke, ich kann stolz sagen, das hat geklappt. Kamillo geht überall mit hin und Restaurants oder Urlaubsorte, wo Hunde nicht gerne gesehen werden, werden von uns strikt gemieden.

Er ist mein Fels in der Brandung, in allen Lebenslagen. Wenn die Kinder mich mal wieder auf die Palme bringen, gehen wir spazieren und ich kann relaxen. Bin ich traurig oder nur schlecht drauf, dann finde ich plötzlich eine Fellnase zu meinen Füßen und tief traurige Augen schauen mich direkt an und scheinen meine Gefühle zu verstehen. Wir haben uns schon oft ertappt dabei, dass wir Kamillo vermenschlichen und sagen: "Schau ihn dir an, der weiß genau, was wir meinen oder was hier abgeht!"

Natürlich hat auch er seine "Phasen". Jedes Jahr im Januar versucht er dicke Arme zu zeigen und noch mal kurz an meinem Rudelchefsessel zu sägen. Versuchen kann man es ja mal! Mitte Januar ist er dann wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Sorry, aber da bleibe ich sitzen!

Ein Leben ohne ihn ist für unsere Familie undenkbar!

...man kann ohne sie leben, aber es lohnt sich nicht!

 

Vom Einzelhund zum "Chef-Chef"

Wir schreiben das Jahr 2014: Kamillo ist jetzt 8 Jahre, steht voll im Saft und macht des öfteren einen auf " dicke Hose". Dies bedeutet, er zeigt allen: "Ich bin der Chef im Haus." Allen? Monk, Sookie und alle anderen Hunde werden beim Spaziergang gewickelt, Herrchen im Spiel ins Bein gepiekt und Frauchen...ah, da war ja das kleine Dorf in Gallien, was?

Frauen wissen es: Irren ist männlich! So ist Kamillo sicherlich Chef im Hunderudel, aber längst nicht über mich. Obwohl er es natürlich versucht.

Beispiel: Man spaziert ohne Leine an der Siegpromenade und von weitem sieht man weitere Passanten mit einem Hund kommen. Sookie merkt es gar nicht und Monk und Kamillo frieren ein. Bei Monk reicht ein: "Ist gut Blondchen, hab ich schon längst gesehen, zu mir." Und Monk dreht um und kommt sofort. Bei Kamillo probiere ich es auch:"Millo, Chefin hat es schon gesehen, zu mir." Doch er bleibt erst mal ganz kess stehen. Erst bei einem : " Ka....millo!" dreht sich der Prinz um und kommt im Gänsefüßchenmarsch zurück. Vor Monk und Sookie wäre Kamillo jetzt wahrscheinlich in der Wurst gelandet oder hätte den restlichen Spaziergang mit anliegenden Ohren hinter sich gebracht. Bin ich nachlässig geworden, gleichgültig, lass ich ihm zu viel durchgehen? Es sind Kleinigkeiten, die mich immer wieder wachrütteln. Hundebesitzer von Rudeln kennen das bestimmt. Man hatte ein top ausgebildeten Hund und nun bei mehreren Hunden gibt man Signale doppelt, steigt über den Hund, statt in aufstehen zu lassen und lässt so einiges schleifen. Gut, Einsicht ist der 1. Schritt zur Besserung. Ich will aber meine Position möglichst nicht mit Druck unterstreichen. Ich sage extra "möglichst", weil nobody is perfect und ich bin sehr impulsiv und brülle doch gerne schon mal. 

Das zeigt dann nur, dass man halt doch nicht so souverän ist, und natürlich muss man Kamillo auch seinen besonderen Stolz lassen.

 

Unser Senior

2019: 5 Jahre sind nunmehr vergangen und Kamillo wird im Dezember 13 Jahre alt. Er hatte den Tod von Sookie eigentlich ganz gut verkraftet und die Beziehung zu Jazzman ist unglaublich eng und liebevoll. Morgens bekommt er regelmäßig die Ohren von ihr gereingt. Mit 11 Jahren bekam er eine Kehlkopflähmung und wurde erfolgreich operiert. Die Kehlkopflähmung ist nicht weg, aber er bekommt ausreichend Luft, um Spaziergänge für Senioren seines Alters gut zu meistern.

Damit das noch lange so bleibt, besuchen wir regelmäßig die Physiotherapeutin. Für längere Ausflüge gibt es jetzt das "Millo-Mobil", ein umgebauter Fahrradanhänger, den unser lieber Nachbar Tommy verstärkt und richtig geländegängig gemacht hat. Hören kann er auch nicht mehr sehr gut. Aber was soll´s, in dem Alter kann man sich das erlauben. Die Rudelführung hat er jetzt an den Jungspund Jazzman abgegeben, er ist verdient in Rente gegangen. Wir pflegen und hegen unseren Senior und hoffen, dass wir viele weitere gesunde Jahre mit ihm verbringen dürfen.